Die grundlegende Annahme hinter der Ermittlung des “Verhaltens-Zieles” (was der Begriff eigentlich meint) ist die, dass aus dem messbaren Surfverhalten Rückschlüsse auf Präferenzen gezogen werden können, von denen der Nutzer vielleicht selbst nichts weiß. Das muss auch nicht falsch sein. Google geht diesen Weg seit spätestens Anfang 2011 , vielleicht unbemerkt auch schon früher. Während mindestens bis zum Jahr 2007/2008 ein Nutzer Werbung angezeigt bekam, die der Thematik der von ihm besuchten Seite entsprach - also auf einer Weinseite Werbung für Getränke und Lebensmittel - bekommt er seit einiger Zeit (spätestens seit 2011) die Werbung unabhängig vom Thema einer Seite angezeigt, die seinen häufigsten Klicks der letzten Stunden/Tage entspricht - also auf einer Weinseite auch Werbung für Autoersatzteile, weil er sich dafür vorrangig interessiert hat. Aber auch aus dem Verhalten repräsentativer Gruppen wird auf die Interessen aller Vertreter dieser Gruppe geschlossen. Die einfachste Methode, die es auch schon immer gab, ist die Verbindung von Motorsport mit leicht bekleideten Mädchen. Man vermutet nicht zu Unrecht, dass Männer beides mögen.
Die technischen Möglichkeiten webbasierter Nutzerbeobachtung machen Behavioral Targeting sehr einfach und für Werbetreibende daher sehr verführerisch. Und die Nutzer scheint dies auch nicht zu stören, auch wenn dadurch endgültig klar geworden ist, dass jedermann über seine IP-Adresse identifiziert wird. Die Vorteile liegen tatsächlich auf beiden Seiten, denn auch Nutzer sehen möglicherweise eher die Werbung, die sie wirklich interessieren könnte. Inwieweit Behavioral Targeting das E-Business wirklich effizienter macht, ist zu Beginn des Jahres 2012 noch wenig untersucht.